Unbestreitbar bereichern sie unser Leben. Sonst wäre es nicht zu erklären, dass in jedem dritten deutschen Haushalt ein Tier wohnt - Tendenz steigend. Aber Tiere können noch mehr.
Tiere können ein Motor für Entwicklungen sein.
Studien belegen, dass Tiere die Gesundheit ihrer Besitzer fördern. Der tägliche Spaziergang mit dem Hund beispielsweise härtet ab und stärkt das Herz-Kreislauf-System. Daneben konnte durch die Studie aber auch gezeigt werden, dass Tierbesitzer weniger zum Arzt gehen und einen niedrigeren Cholesterinspiegel und Blutdruck haben. Aber auch die Seele wird vom tierischen Mitbewohner regelrecht "gestreichelt": Er vermittelt seinem menschlichen Freund Nähe, Wärme und das Gefühl, angenommen zu sein. Menschen mit Tieren sind seltener depressiv und fühlen sich gebraucht. Wenn es nach Psychologen und Medizinern ginge, müsste es Haustiere auf Rezept geben.
Aber Tiere sind noch vielseitiger: Sie können gezielt zur Förderung Schwerstbehinderter eingesetzt werden oder Blinden bei der Orientierung helfen. Alten Menschen kann die Beziehung zu einem Tier Lebenssinn geben und sie vor einem sozialem Rückzug bewahren.
Motivationsfaktor Tier
Tiere fungieren als Motor für Entwicklungen, die sonst unter Umständen viel länger dauern würden, indem sie einen Anreiz für Veränderungen schaffen. So setzen z.B. Logopäden Tiere als Brücke und Kontaktmittel bei Kindern mit Sprechstörungen ein. Die tierischen Helfer können es schaffen, die Patienten in der Therapie zu begeistern, zu entspannen und vom Leistungsgedanken weg auf eine spielerische Ebene zu bringen. Die Kommunikation wird durch einen natürlichen Impuls angeregt: Um mit einem Tier umzugehen, muss man mit ihm sprechen, es locken und mit ihm spielen.
Hippotherapie - das Gleichgewicht stärken

Der Umgang mit Pferden macht Spaß und erhöht die Lebensqualität.
Hippotherapie ist eine krankengymnastische Behandlung mit und auf dem Pferd. Behandelt werden z.B. Kinder mit frühkindlicher Hirnschädigung, an Multipler Sklerose Erkrankte, Patienten nach Schädel-Hirn-Trauma. Die Therapie wirkt, weil der Schritt des Pferdes der menschlichen Gangbild entspricht. Es werden 90-120 Schwingungsimpulse pro Minute vom Rücken des Pferdes auf den Menschen übertragen, auf die sich dieser einpendeln muss. Halbseitig gelähmte Menschen z.B. können so ein Gefühl für ihre Körpermitte entwickeln. Zugleich wird die Muskelspannung positiv beeinflusst: schlaffe Muskeln spannen sich an, eine zu stark gespannte Muskulatur gibt nach. Die gesamte Haltung, vor allem des Oberkörpers, wird geschult und das Balancegefühl verbessert.
Delfine als Kommunikationshelfer
Ganz genau weiß man heute noch nicht, warum gerade die Arbeit mit Delfinen bei Kindern mit hochgradigen Kommunikations- und Kontaktstörungen so gut hilft. Durch Studien konnte aber belegt werden, dass geistig behinderte Kinder während der Delfintherapie neue Wörter bis zu zehnmal schneller lernen als bei der Arbeit im Klassenzimmer.
Schon in den siebziger Jahren fing der Psychologe Dr. David Nathanson an, mit Delfinen und behinderten Kindern zu arbeiten. Nach seiner Theorie ist für viele geistig behinderte Menschen nicht der Lernvorgang das Problem, sondern die Unfähigkeit, ihre Aufmerksamkeit auf die wichtigen Reize zu lenken. Die Erfolge der Delfintherapie wären demnach darauf zurückzuführen, dass die Aufmerksamkeitsspanne der Patienten durch die Delfine verlängert wird; ihnen wird praktisch eine Verstärkerfunktion zugesprochen. Dazu kommt noch der Entspannungsfaktor, der durch den Aufenthalt im Wasser entsteht.
Der Trend geht zum Haus- und Nutztier

Tiere geben das Gefühl, gebraucht zu werden.
Aber nicht immer muss es eine teure und für viele unerschwingliche Delfintherapie sein. Viele Therapeuten arbeiten auch mit Haus- und Nutztieren und haben sehr gute Erfolge. Zum Beispiel das 1996 gegründete "Institut für soziales Lernen mit Tieren". Das Besondere: Die Tiere und ihre Trainerin sind mobil und besuchen regelmäßig Einrichtungen wie Schulen für Lernhilfe, Wohnheime für geistig und körperlich behinderte Menschen sowie Altenheime im Großraum Hannover. Eine weitere Besonderheit ist der Einsatz von Nutztieren, also Enten, Gänsen, Schafen, Ziegen oder Schweinen. Sie haben einen hohen Aufforderungscharakter und sind deshalb besonders gut geeignet für die Therapie. Die Tiere werden von klein auf durch ein spezielles Training auf ihren Einsatz als Therapietiere vorbereitet.
Übrigens: Auf einem Hof in den Niederlanden kann die Beziehung zwischen Mensch und Tier nachhaltig gefördert werden. Aber dort ist es genau umgekehrt: Menschen fungieren als Therapeuten der Tiere und lassen für 25 EUR misshandelten Schweinen eine Massage angedeihen. Dem Tier gefällts und der Mensch hat auch einen therapeutischen Nutzen davon: Er kann Abbitte leisten für alle Misshandlungen und Schlachtungen dieser Welt und beim Massieren Ruhe und Zufriedenheit finden.
Wann zahlt die Krankenkasse?
Ohne weiteres übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen die tiertherapeutischen Behandlungen nicht. Eine Ausnahme bildet der Blindenhund, dessen Beantragung - wenn alle Voraussetzungen erfüllt sind - erfolgversprechend ist. Aber auch bei anderen Therapieformen sollte man zumindest einen Versuch starten.